6 Wochen aus dem Koffer leben

Nun sind es schon 6 Wochen, die wir in Montréal verbracht haben. 6 Wochen, in denen wir nur die Sachen von Zuhause hatten, die in 3 Koffer, 2 Rucksäcke und 2 Umhängetaschen passten. Was man eben so im Flugzeug mitnehmen darf. Wie soll das bloß reichen, dachte ich…

Reisegepäck in der neuen Wohnung

Es war von Anfang an so geplant, dass wir unsere restlichen Sachen erst dann auf die Reise über den Atlantik schicken, wenn wir eine langfristige Wohnung gefunden haben. Damit wir die Kartons nicht erst in den 14. Stock bringen müssen um sie dann wenige Wochen später wieder in eine neue Wohnung schleppen zu müssen. Ok, die AirBnB Wohnung im 14. Stock hatte einen Fahrstuhl, aber das muss ja trotzdem nicht sein.

Also 6 Wochen die gleichen 4-5 Pullis / Shirts / Blusen im Wechsel. Wenn man mal 2 Wochen in den Urlaub fährt und sich da entscheiden muss, was in den Koffer soll, find ich das schon schwierig genug. Aber für 5-6 Wochen? Nun sind schon 6 Wochen um, wir haben ein neue Bleibe gefunden und sind mittlerweile auch mit unseren 7 Taschen in die neue Wohnung gezogen. Den Container erwarten wir nächsten Dienstag und ich freue mich sehr auf das Zeug! Ich freue mich auf ein bisschen mehr Auswahl im Kleiderschrank. Und auf kuschelige Handtücher! Seit wir die AirBnB-Bude letzte Woche verlassen haben, nutzen wir unsere Mikrofaser-Handtücher, die übrigens auch ein Mikro-Format haben. Die passten gerade noch in die Koffer und sind auch ganz praktisch fürs Campen oder wann immer man nicht viel mitschleppen möchte, aber sie sind das Gegenteil von kuschelig.

Oh und nächste Woche soll sich der Frühling tatsächlich auch blicken lassen. Letzte Woche noch Schnee und kommenden Montag bis zu 20°. (Plus – diesmal – so zumindest die Ansage.) Insofern freue ich mich auf mehr Schuh- und Jacken-Auswahl.

Es wäre also schon nett, ein bisschen mehr Klamotten-Auswahl zu haben. Aber das Wort “nett” sagt es schon: am Ende braucht man doch gar nicht so viel, haben wir festgestellt. Die Wohnungen haben hier in der Regel auch Waschmaschine und Trockner, insofern gab es von unserer Seite auch keine Geruchsbelästigungen oder ähnliche Beschwerden. Und mir ist gerade eingefallen, dass ich ja schon mal 3 Monate aus dem Koffer gelebt habe und das war auch überhaupt kein Problem: In Island vor 12 Jahren. Gut, da brauchte ich auch fast nur Reitsachen. Und Pferden und Schafen war es vermutlich egal, dass sie mich in nur 2 verschiedenen Outfits gesehen haben: entweder in blauem schneetauglichen Overall oder in roter Funktionsjacke.

Das worauf ich mich mittlerweile tatsächlich am meisten freue, sind meine Sportsachen. Wer hätte das bloß mal gedacht, der mich noch aus der Schulzeit kennt? Reitsachen natürlich ausgenommen. Aber nun hab ich schon mal einen Zugang zum Fitnessstudio inklusive, in dem es auch Badminton und Yoga gibt, und ich habe weder Sporthose, Sportschuhe, Badmintonschläger noch Yogamatte im Gepäck. Man kauft sich ja nicht alles neu, wenn man sein Kram in ein paar Wochen erwartet. Also ich zumindest nicht, aber ich zähle hier momentan auch nicht gerade zu den Großverdienern.

Fazit? Entweder nächstes mal beim Auswandern alles zuhause verkaufen und hier direkt alles neu besorgen. Oder einfach noch besser packen und vorausschauende Prioritäten setzen. Sportschuhe in den Koffer – 4. Jeans und 5. Hemd ab in den Container. Naja, vielleicht habe ich einfach selbst nie vermutet, dass mir Sport so fehlen wird. Was mir der Container natürlich nicht bringen kann, ist eine Option zum Reiten. Da muss ich, wenn der Sommer naht, ein bisschen mehr recherchieren und mich umhören. (Pooonnnieeess!!!)

Aber Badminton und Yoga sind ja ein Anfang. Einer, der in Sicht ist. Ach so, warum habe ich gerade “kostenlosen” Zugang zum Sportprogramm? Weil ich schon eine Menge Geld für meinen Französisch-Kurs ausgegeben habe und zum gleichen Anbieter auch ein Netz an Fitnessstudios gehört. Ich habe gerade die zweite von vier Wochen Französisch-Kurs bei der YMCA hinter mir. Genau, Y-M-C-A wie in dem Lied der Village People. Dass der Name für ein Fitnesscenter inklusive Sprachschule steht, wusste ich bis vor Kurzem gar nicht. Aber nein, man muss weder die Buchstaben tanzen, noch christlich gesinnt sein (Das C im Namen hatte nur ganz ursprünglich eine Bedeutung). Und ich habe dort bisher auch weder Cowboy, Indianer, Bauarbeiter, Polizist noch Soldat gesehen… Soweit also alles ganz normal hier. Mein eingerostetes Französisch konnte ich jedenfalls schon einigermaßen auffrischen.

YMCA Logo

Drückt uns die Daumen, dass der Container nicht vom Schiff gefallen ist und dass der Zoll nächste Woche nix zu beanstanden hat. So hundertprozentig weiß ich auch nicht mehr, was der Umzugstrupp alles eingepackt hat. Vermutlich viel zu viel für unsere schöne, aber nicht all zu große neue Wohnung. Wir werden sehen, aber wir vermuten, dass wir noch viel mehr Zeugs in Deutschland hätten lassen können. Und von der neuen Wohnung gibt’s bald auch ein paar mehr Fotos, sobald wir uns etwas mehr eingerichtet haben. Oben seht ihr schon mal den Esstisch, in den ich mich direkt verliebt habe – sofern man sich denn in ein Stück Holz verlieben kann. Naja, dass ist wahrscheinlich der Einfluss der englischen Sprache. You don’t just like something, you LOVE it! Und im Französischen gibt es eh nur ein Verb für mögen und lieben. Also: j’aime cette table en bois!

Aber viel wichtiger als das Möbelstück: die Wohnung hat neben Wohn- und Schlafzimmer noch ein winziges weiteres Zimmer, das auch als Gästezimmer genutzt werden kann. Nur mal so nebenbei…