Endlich Frühling!

Es ist endlich soweit: der Frühling hat auch hier begonnen. Es kann zwar sein, dass nachts noch um die 0° sind, oder es einige Tage am Stück regnet. Aber hey, wir hatten nun schon mehrere Tage, an denen die Winterjacke eindeutig zu warm war. Es gab sogar schon zwei Tage, an denen jede Jacke zu warm war!

Es gibt natürlich noch viele weitere Dinge, an denen man merkt, dass jetzt Frühling ist. Also abgesehen davon, dass es draußen gaaaanz langsam etwas grüner wird. Es ist gar nicht so anders als in Hamburg: sobald die Sonne scheint und die 20°-Marke nur in Sicht ist, strömen die Menschen nach draußen auf die Straßen, in die Parks und auf die Terrassen. Wo waren die Leute nur vorher die ganze Zeit, hab ich mich in Hamburg immer gefragt. Vermutlich drinnen in ihren 4 Wänden. Hier wäre meine Vermutung: Ski fahren auf dem Mont Tremblant, dem Bromont oder Langlaufen auf dem Hausberg Mont-Royal. Letzteres haben wir ja noch beobachtet, aber Snowboarden in einem der Skigebiete haben wir leider nicht mehr geschafft. Unsere Snowboard Ausrüstung kam genau zu dem Zeitpunkt an, als die Skigebiete das Ende der Saison verkündeten. Also letzte Woche.

Naja, was soll’s, der nächste Winter kommt bestimmt und ich will mich auch nicht über Frühling und Sommer beschweren. Tatsächlich ist letzte Woche unser Container mit unseren Kartons, diverser Sportausrüstung und vor allem auch unseren Fahrrädern gekommen! Am Sonntag haben wir bei 17° und Sonnenschein unsere erste Tour gemacht. Es ging einmal durch die Innenstadt, vorbei am Marché Atwater, über den Canal Lachine, durchs Hafengebiet zur Halbinsel Cité du Havre. Dort steht der Wohnhauskomplex Habitat 67. Entworfen 1967 zur Weltausstellung und immer noch ziemlich beeindruckend.

Habitat 67

Das besondere an diesem Bauklotz-Konzept ist, dass alle Wohneinheiten große Terrassen haben. Auf einigen stehen sogar Bäume. Und für die Design-Nerds: in einer Wohnung kann man auch einen Eames Lounge Chair erkennen. (Mich würde zu sehr interessieren, wie die Original Einrichtung war…)

Zugegeben, die Architektur ist etwas gewöhnungsbedürftig und ich finde den Begriff Brutalismus für den Baustil auch irgendwie treffend, obwohl der nur vom französischen Wort für “Rohbeton” kommt (“béton brut”), wie ich gerade gelernt habe. Man wohnt etwas ab vom Schuss in dieser Hafencity, aber die Wohnungen sollen mit der Lage am Fluss ziemlich beliebt sein. Ich finde sie toll!

Habitat 67

Zurück ging es über die Insel St. Hélène und den Park Jean Drapeau, wo auch noch einige Exponate von 1967 zu finden sind. Zum Beispiel das Stahlkonstrukt “Biosphère”, das heute ein Umwelt-Museum ist und wo es draußen gerade eine Fotoausstellung gab. Die Insel ist außerdem Veranstaltungsort für diverse Musikfestivals. Zum Beispiel für das Osheaga Anfang August 2017 – mit The Shins, Father John Misty, Justice, Foxygen, Muse, Temples, MGMT und und und… Robin und ich müssen uns dringend Tickets holen!

Biosphere

Als weiteres Zeichen für den Frühling deute ich übrigens diesen Nager am Wegesrand auf der Insel: Ein Waldmurmeltier! Als wir vor 2 Wochen schon einmal im Park Jean Drapeau waren, waren die einzigen wilden Tiere, die wir sahen, Eichhörnchen, diverse Vögel und eine wilde Katze. Dieses Mal beim schnellen Durchqueren mit dem Rad sahen wir gleich 2 Murmeltiere!

Murmeltier

Die Amis und Kanadier wollen sogar die Wetterprognose am Verhalten von Murmeltieren ablesen. Wenn die Nager früh aus ihrer Höhle kommen und sie ihren eigenen Schatten nicht sehen, dann startet der Frühling bald. So die Folklore. Quebec hat sogar ein offizielles Murmeltier, das dieses Jahr, am offiziellen Murmeltiertag (2. Februar) einen frühen Frühlingsbeginn vorhergesagt hat. Naja, Optimismus ist mir ja grundsätzlich sympathisch… Aber ich bin mir recht sicher, dass die Viecher sich während des Schneesturms Mitte März in ihre Höhlen zurückgezogen und sich noch einige Mal genüsslich umgedreht haben, bevor sie sich dann letzten Sonntag tatsächlich heraus getraut haben.

Pont Jacques-Cartier

Zurück zur Insel im St. Lorenz-Strom: Die Île Sainte Hélène ist über 2 Brücken mit der Innenstadt verbunden. Die flache Brücke de la Concorde von der Cité du Havre und im Norden Pont Jacques-Cartier mit etwa 100 Metern Höhe, was mit dem Fahrrad schon ganz ordentlich war. Auf jeden Fall hat man einen guten Ausblick. Und eine gute Abfahrt! Bei der Geschwindigkeit und dem Fahrtwind vergisst man auch, dass einem eigentlich schon der Hintern tierisch weh tut, weil man ja ein halbes Jahr nicht auf dem Fahrradsattel saß.

Pont Jacques-Cartier

Fahrrad fahren kann man hier ganz gut. Für nordamerikanische Verhältnisse sehr gut. Es gibt sogar einige richtig von der Straße abgetrennte Fahrradwege! Und es gibt auch Stadträder, die hier Bixi heißen. An einigen Sonntagen im Jahr kann man die Räder sogar gratis ausleihen. Das Netz an Stationen und Rädern scheint mir extrem dicht zu sein, alle 2-3 Straßen eine Station. Das Vorkommen von Schlaglöchern ist allerdings auch recht hoch, aber da sind wir in Hamburg auch nicht verwöhnt worden.

Das Foto von der Startseite war übrigens ein kleiner Trick. Ich glaube zwar schon 1-2 Schmetterlinge draußen gesehen zu haben, aber solche Blüten gibt es hier draußen natürlich noch nicht. Der Schmetterling auf dem Foto wohnt im Schmetterlingshaus im Botanischen Garten, wo ganzjährig tropische Verhältnisse herrschen und den wir vor ein paar Wochen besucht haben. Das ist wirklich ein empfehlenswerter Ort, wenn es draußen ungemütlich ist!

Botanischer Garten