Sommer in Montreal

Huch, es ist schon fast 1 Monat her, dass ich hier das letzte mal geschrieben habe? Nein, es ist kein schlechtes Zeichen… Es ist Sommer! Aber ich sollte dringend mal ein wenig berichten und zeigen, was Sommer hier in Montreal bedeutet.

Offiziell hat der Sommer ja erst letzte Woche angefangen, aber wir haben schon mindestens zwei Punkte erlebt, die wir von der imaginären Sommer-Checkliste abhaken können. Erstens war es schon eine Woche lang über 30 Grad. Und zweitens erleben wir nun schon seit einigen Wochen den beginnenden Ausnahmezustand in der Stadt. Er hält hoffentlich noch ein paar Monate an, aber wenn man bedenkt, dass der Sommer hier so kurz ist, kann man den Zeitraum von Juni bis September wohl noch als Ausnahmezustand bezeichnen. Es gibt jede Woche ein neues öffentliches Festival oder irgendeinen Grund Straßen zu sperren, Bühnen aufzubauen und das Leben nach draußen zu verlagern. Sei es der Quebec Nationalfeiertag (der eigentlich gar keiner ist), das Francofolie Festival, bei dem 10 Tage lang Bands auftreten, die fast ausschließlich auf Französisch singen, oder das MURAL Street Art Festival. Einmal im Jahr werden hier die Hauswände erneuert und während dieser 10 Tage ist der Boulevard St. Laurent für Autos gesperrt und es wird gefeiert.

Montreal

Der St. Laurent ist neben der Avenue Mont-Royal eine der Hauptstraßen in unserem Viertel, dem Plateau Mont-Royal. Aber auch in anderen Ecken ist immer irgendwas los. Beispielsweise die „Tam Tams“: am Fuße des Bergs, im Jeanne Mance Park, gibt es jeden Sonntag ein zwangloses Treffen von Menschen, die ihre Bongos mitbringen und den ganzen Nachmittag trommeln. Zwanglos heißt in diesem Fall, dass auch Cannabis konsumiert wird. Solange alles friedlich bleibt, wird es von der Polizei toleriert. Es stehen immer zwei Streifenwagen parat, aber letzte Woche wirkte es seeehr friedlich. Love, Peace and Tam Tams.

Montreal

Auf dem Weg nach Hause vom Park liefen uns dann Darth Vader und ein Storm Trooper¹ über den Weg. Wer nicht trommelt und nicht Star Wars spielt, macht einfach Sport oder grillt in einem der Parks. In letzterem bin ich auch aktiv. Beim Sport momentan etwas weniger…

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Tatsächlich habe ja wieder angefangen zu reiten :-) Ich habe eine Quarter Horse Stute gefunden, die ich 1-2 mal die Woche reiten kann. Leider ist sie noch nicht so gut ausgebildet und das durfte ich dann beim dritten mal gleich spüren. Kurzum — irgendwie bin ich im Sand gelandet und auch wenn ich mir nur ein paar Prellungen geholt hab, bin ich nun sportlich etwas eingeschränkt…

Das Pferd auf dem folgenden Foto ist übrigens nicht die besagte Stute, sondern ein Polizeipferd. (Ich suche mir in der Regel kleinere Pferde – aus gutem Grund…) Dieses Pferd wohnt auf dem Berg und hatte offenbar grade frei.

Montreal

Während Robin gestern eine Stunde lang kreuz und quer über den Mont-Royal gelaufen ist (wenigstens einer ist sportlich von uns beiden) habe ich einen kleinen Spaziergang auf dem Berg gemacht. Den Aufstieg per Rad machen wir dann ein anderes mal. Gestern war ich froh, dass der Bus, der hinauffährt, fast vor unserer Haustür hält. Hauptsache ich bin kommendes Wochenende wieder fit. Wir wollen Richtung Quebec City und zum Jacques Cartier Park. Je nach Wetter wollen wir irgendeine Wasseraktivität machen. Rafting, Stand-up Paddeln… Mal sehen!

Montreal

Da wir die letzten Wochen abgesehen von meinen Reitausflügen vor allem in der Stadt geblieben sind, hier noch ein paar Eindrücke aus den verschiedenen Stadtteilen. Oben links seht ihr den Square Victoria und im Hintergrund Robins Arbeitsplatz. Nicht weit von den modernen Hochhäusern dominieren dann in der Altstadt Häuser aus grobem grauem Stein und schmalere Straßen und Gassen mit Kopfsteinpflaster. Es gibt zwar eine deutlich sichtbare Skyline von Montreal. Aber es wird keine Megabauten geben, da ein Gesetz regelt, dass kein Gebäude in der Stadt höher als der Mont-Royal sein darf.

Von der Downtown Skyline habe ich gerade kein aktuelles Bild, aber dafür einen Ausblick vom Mont-Royal über den Osten der Stadt inklusive unserem Viertel.

Montreal

Im Plateau ist es durch die viele Streetart deutlich bunter als in der Altstadt. Auch sind häufig die Häuser selbst sehr farbenfroh gestrichen, selbst wenn kein Künstler am Werk war. Unser Straßenabschnitt ist gekennzeichnet durch fast langweilige rote Backsteinhäuser. Aber ich mag es dort. Es ist sehr ruhig, weil unser Teil eine Sackgasse ist und hier keine Autos fahren. Auf jedem zweiten Balkon vom Hinterhof sieht man eine Katze (und ab und zu lässt sich die Graue auch vorne blicken). Hinten haben alle Wohnungen Feuertreppen, die nach unten in den Hof führen. Sehr praktisch für all die Katzen, die somit gleich einen viel größeren Auslauf haben.

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¹In der ursprünglichen Version von gestern habe ich versehentlich Star Trooper statt Storm Trooper geschrieben. „Das musst du unbedingt noch ändern!“ hieß es dann abends... Ist ja auch echt peinlich. Und es könnte zurückfallen auf den Mann, der ja wie wahrscheinlich in vielen Beziehungen überhaupt erst dafür verantwortlich ist, dass die Frau alle oder zumindestens die wichtigsten Star Wars Filme gesehen hat. (Soll heißen, ich habe Episode IV bis VII gesehen und weiß auch eigentlich, was ein Storm Trooper ist. Bei Diskussionen, welche Episoden man aber nun gesehen haben muss und in welcher Reihenfolge, halte ich mich aber lieber raus. Nicht dass ich noch versehentlich „Darth Weber“ statt Darth Vader sage. (Das war der Name unseres Grills in Hamburg... OK – ich merke, jetzt klingt es wirklich nerdig ;-))