Quebec, Ontario und zurück in die Stadt der Festivals

Es ist immer noch Sommer in Kanada! Ich komme wenig zum schreiben, aber ich freue mich über die hohe Kurze-Hosen-Quote. Kennt ihr das Gefühl, wenn man nach 2 Wochen, in denen man nur kurze Hosen anhatte, wieder in eine lange Jeans steigt? Ich verbinde das Gefühl eigentlich immer mit Urlaub, der gerade zu Ende gegangen ist, weil ich das Gefühl aus Norddeutschland eigentlich nicht kenne.

Bevor jemand neidisch wird: Das Wetter ist hier gar nicht sooo viel besser als in Norddeutschland. Heute hat es mal wieder ordentlich geregnet. Dass ich so häufig kurze Sachen trage, liegt vielleicht einfach daran, dass ich in unserer Hamburger Altbauwohnung, die vor allem nach Norden ausgerichtet ist, immer gefroren habe. Auch im Sommer wurde es da nie warm drin. Unsere Bude hier dagegen liegt direkt unterm Dach, ist noch weniger gut isoliert und hat ein Skylight Fenster überm offenen Wohnbereich. Das heißt, es ist immer schön hell, aber auch immer schön warm im Sommer. Manchmal etwas zu warm zum schlafen. Denn noch einfacher zu berechnen als die Kurze-Hosen-Quote, wäre die Bettdecke-ohne-Inlet-Quote: Ein einfaches Laken reicht seit Mai. Insgesamt sind die Nächte auf jeden Fall wärmer und die Luft insgesamt schwüler als in Hamburg. So, jetzt aber genug vom Wetter! (Das scheint etwas sehr deutsches zu sein, ständig übers Wetter zu reden, ich werd das offenbar auch nicht los).

Viel interessanter ist bestimmt, was wir so erlebt haben. Eine Woche Urlaub war tatsächlich dazwischen! Ich versuche es, zusammen zu fassen.

Wir waren vor 2 Wochen beim Musikfestival Osheaga. Coole Bands, nette Stimmung, und ähnliche Bedingungen wie ihr sie, wenn ihr Tickets habt, in diesem Moment gerade in Hamburg beim Dockville Festival erlebt! Sprich, passend zum Festivalbeginn Regen! (Oh nein, schon wieder dieses Thema!) Starkregen in unserem Fall. Cool war jedenfalls, dass die Klamotten nach kurzer Zeit aufgrund der Wärme wieder trocken waren. Und dass das Festivalgelände nur 3 Metrostationen von uns entfernt war. Es findet immer auf der Fluss-Insel im Parc Jean-Drapeau statt, wo wir im Frühling schon ein paar mal waren.

Nichts gegen die legendären, nächtlichen Fahrradtouren durch Wilhelmsburg, das Hamburger Hafengelände und den alten Elbtunnel nach dem Dockville Festival. Das gehört für mich so zum Dockville Festival, wie für andere vielleicht das Glitzer im Gesicht, irgendein ausgefallenes Outfit mit Einhörnern oder 3 Tage Bier aus Pfandbechern. Zum Osheaga haben wir die Räder nun zuhause gelassen. Denn 3 Metrostationen ohne große Wartezeiten direkt vom Festival bis fast vor die Wohnung – das ist schon ganz angenehm. Die Stadtnähe bedeutet aber auch, dass aus Lärmschutzgründen um 23 Uhr Feierabend ist. Die Parties gehen dann in der Stadt in irgendwelchen Clubs weiter. Oder man fährt einfach nach Hause und geht schlafen.

Wir waren außerdem beim öffentlichen Teil des Zirkus-Festivals und beim Comedy Festival “Just for laughs”. Auch bei letzterem kann man entweder gegen Eintritt bekannte Comedians erleben oder einfach die kostenlosen Draußen-Shows mitnehmen. Wir haben eine großartige, kostenlose und glücklicherweise englischsprachige Impro-Stand-Up Comedy Show gesehen. Es ist schon beeindruckend, wenn einer aus dem Stegreif mit den hinter ihm auf einer Leinwand auftauchenden Begriffen “Amish Electric Chair” eine völlig hirnrissige, aber witzige Geschichte bringen kann und ihm dann noch eine Überleitung zum nächsten völlig absurden Thema gelingt.

Mitte Juli waren übrigens meine Eltern, mein Bruder und meine Schwägerin zwei Wochen in Kanada. Eine Woche davon sind wir zusammen durch Ontario gereist. Roadtrip im Minivan. Erste Station waren die Thousand Islands, ein Abschnitt im Sankt-Lorenz-Strom mit tatsächlich über tausend kleinen traumhaften Inseln. Weiter ging es nach Toronto (spannend!) und zu den Niagarafällen (fast besser als erwartet aufgrund der vielen Warnungen hinsichtlich des Tourismus dort). Schließlich ging es noch durch den Algonquin Provincial Park. Es war eine sehr schöne Strecke mit einigen Highlights und natürlich auch einigen weniger spannenden Abschnitten. Leider haben wir keine Wölfe, Bären oder Elche gesehen. Positiv gesagt, wir wurden nicht aufgrefressen und hatten auch keinen Crash mit überdurchschnittlich großen Landlebewesen. Kurz vor Ende hat sich nochmal kurz ein Bieber gezeigt und die üblichen Kleintiere (Murmeltiere, Marder, Streifenhörnchen) waren auch immer mal zu sehen. Und eine kleine, harmlose Schlange habe ich entdeckt. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich mich mehr gefreut habe, meine Familie wiederzusehen, als wilde Tiere.

Montreal Wir im Algonquin Park. Weitere Fotos unten!

Rückblick weitere 2 Wochen zurück: Das erste Juliwochenende haben wir, wie im letzten Beitrag angekündigt, in Quebec Stadt und der Umgebung verbracht. Die Stadt selber ist klein, niedlich und perfekt für einen Tag. Abends war anlässlich des Kanadischen Nationalfeiertags eine riesige Bühne in einem Park aufgebaut. Lustigerweise haben wir dort ganz ungeplant Billy Talent gesehen, die ja Kanadier sind. Diese Band war auch Robin und mein erstes gemeinsames Konzert vor über 10 Jahren. Auch ungeplant von meiner Seite, weil ich nur für jemanden eingesprungen war, der krank war oder so.

Am nächsten Tag sind wir in den nahegelegenen Parc de la Jacques Cartier gefahren und haben mal wieder eine Kajak-Tour gewagt. Das erste mal nun auf einem Fluss mit Stromschnellen. Vorher gab es eine kurze Erklärung, wie man sich im Wasser verhalten soll, eine Rettungsweste und los ging’s.

Erster Tipp nun von mir nach der Erfahrung: keine Flip-Flops im Kajak anziehen! Zumindestens nicht, wenn sie einem lieb sind, da man sie bei ungeplanten Schwimmübungen sonst leicht im Fluss verlieren könnte. Es handelt sich bei den Kajaks im Park mal wieder um sehr offene Kajaks, in denen man so oder so nass wird. Wenn auch bei den Solo-Kajaks nicht so sehr wie bei den Doppel-Modellen! Lieber in Wasserschuhe investieren oder barfuss losgehen, wenn man zwischendurch an Land will oder muss. Zweiter Tipp: Auch als Paar ruhig jeder ein Solo-Kajak leihen. Erstens ist das Modell tatsächlich etwas besser als das Doppel-Model, wie wir ja bereits vermutet hatten von unserer ersten Kajak-Aktion. Aber zweitens fällt dann mit Chance nur einer ins Wasser. Dritter Tipp: Unbedingt möglichst bald eine Kajak-Tour in einem Fluss planen! Es hat so Spaß gemacht! Die Stromschnellen waren eine kleine Herausforderung (oder eine größere, je nach dem wen man fragt), gefährlich war es aber nicht wirklich. Die Strömung hat einem teilweise eine ganz gute Geschwindigkeit gegeben. Dann gab es zwischendurch ruhigere Abschnitte mit flachem Wasser und kleinen Inselchen, auf denen Wildvögel brüten. Rings um einen nur Natur und Stille. Perfekter Mix aus Adrenalin und Relaxing. Leider gibt es keine Fotos von uns im Wasser, weil Smartphones und Kameras uns noch lieber sind als Flip-Flops. Nur dieses vom ruhigen Teil des Flusses:

Parc de la Jacques Cartier

Insgesamt haben wir beide echt Spaß an so Wasser-Aktivitäten, dass wir übermorgen wieder etwas ähnliches planen: Stand-up Paddeln! Während der Familienwoche waren wir schon gemütlich auf einem See paddeln und letztes Jahr haben wir erste Versuche mit leichtem Wellengang vor der Küste Maltas gemacht. Diesmal geht es in den Rivière Rouge westlich von Montreal, ein Fluss, der bekannt ist fürs Wildwasserrafting. Offenbar gibt es aber auch ruhigere Abschnitte laut Beschreibung.

In 2 Wochen planen wir noch einen Ausflug über ein langes Wochenende, auf den ich mich auch sehr freue! Wir fahren zum Saguenay Fjord, der 5-6 Stunden nördlich von uns in Quebec liegt und in den Sankt-Lorenz-Strom mündet. Dort sollen sich viele Wale tümmeln, da der Fjord ihnen viel Nahrung bietet. Ich bin gespannt!

Im September bekommen wir noch mehr Besuch und treffen noch Freunde in der Nähe von Montreal. Ich freu mich so, es wird bestimmt großartig!

Abschließend noch ein paar Fotos von unseren Touren.

Quebec Quebec Stadt mit Château Frontenac, Buch-Flohmarkt in alter Kirche, und Jugendlichen auf Hausdach.

Thousand Islands Die Thousand Islands oder Les Mille-Îles.

Toronto Toronto Downtown und mit CN Tower vom Ontario See aus.

Toronto Das Distillery Viertel und Torontos Flatiron Building.

Niagara Niagara.

Algonquin Im Algonquin Provincial Park.