Der Saguenay-Fjord: weiße Wale und neugierige Seehunde

Wir waren neulich am Saguenay-Fjord und in der Charlevoix Region nördlich von Quebec City. Welche Wal-Arten es dort gibt, welche Kleidung man auf einem Zodiac am besten anzieht und welche Unterschiede es im Übrigen bei Poutine-Käsesorten gibt, erfahrt ihr hier.

Wir haben uns samstags früh mit einem Communauto auf den Weg Richtung Nord-Osten gemacht. Erst ging es über die recht langweilige Autobahn 20, dann durch Quebec-City und weiter direkt vorbei am schönen Jacques-Cartier Park über traumhaft hügelige und felsige Landschaft. Als wir ins Auto eingestiegen sind, war es noch ziemlich kalt. Vielleicht 10 Grad. Aber als wir ein paar Pausen und eine Tankfüllung später am frühen Nachmittag am Fjord ankamen, war der Himmel wolkenlos und die Sonne ziemlich warm. Eine flache Bucht im Parc du Saguenay mit Sandstrand belohnte schon mal die lange Fahrt. Parc Fjord du Saguenay

Anschließend sind wir einen Wanderweg auf die Fjordklippen hinaufgekrakselt — 230 m Höhenunterschied. Klingt eigentlich nach nicht viel. Aber da es steil bergauf ging, hat zumindestens keiner mehr von uns gefroren. Oben angekommen gab es einen schönen Blick auf den Fjord.

Parc Fjord du Saguenay Links oben auf dem Bild hängen übrigens ein paar Kletterer an der Felswand. Diese Aktivität wollte ich auch fast buchen, allerdings in einer geringeren Schwierigkeitsstufe und, so dachte ich, geringeren Höhe. Es nennt sich “Via Ferrata” und ist angeblich ohne Klettervorkenntnisse möglich. Als wir gesehen haben, wie hoch es geht, war zumindestens einer von uns beiden sehr froh, dass wir dies nicht gebucht hatten…

Parc Fjord du Saguenay

Für den nächsten Tag hatten wir eine Bootstour auf dem Fjord geplant. Um kurz nach 8 wurden wir in dem kleinen niedlichen Dorf L’Anse St. Jean von unserem Bootsführer am winzigen Hafen abgeholt. Es war wieder ziemlich herbstlich kalt über Nacht geworden, also hatten wir schon Fleecejacken unter die Softshelljacken angezogen. Für die Fahrt auf dem Zodiac bekamen wir noch überdimensional groß erscheinende Spezialjacken, die wärmen und zugleich als Schwimmweste dienen. Letzteres Feature war angeblich noch nie nötig. Und die Michelin-Männchen-artige Dicke der Jacken erschien uns auch erst etwas übertrieben. Als wir dann losfuhren, haben wir dann aber doch nach und nach Reißverschlüsse zugemacht und Kapuzen übergezogen. Mit dem Fahrtwind war es einfach mal richtig kalt! Also mein Tipp: alles anziehen was geht, zumindestens wenn es nicht mehr hochsommerlich warm ist.

Parc Fjord du Saguenay

Zuerst waren Robin und ich die einzigen auf dem Schlauchboot und genossen die wunderschöne, ruhige Fjordlandschaft. Kaum eine Menschenseele war zu sehen. Abgesehen von ein paar Kajakfahrern. Nach 15 Minuten näherten wir uns einem unberührt aussehenden, sehr breitem Strand. Es war gerade Ebbe. Unser Kapitän machte uns auf zwei weiße Flecken hinter uns im Wasser aufmerksam. Die ersten zwei Beluga-Wale, die wir sehen! Später tauchen immer mal wieder ein paar dieser weißen markanten Rücken auf. Der auch Weißwal genannte Meeressäuger ist schon deutlich größer als ein Delfin und hält sich bevorzugt in Flussmündungen auf. Normerweise lebt diese Art im Polarmeer, daher auch die weiße Farbe. Im Saguenay-Fjord scheint es ihm offenbar aber auch zu gefallen. Die Durchmischung von kaltem Süß- und Salzwasser durch die Gezeiten sorgt in der Fjordmündung für ein reiches Nahrungsangebot.

Fjord Saguenay

Eine Gruppe roter Jacken näherte sich dem Boot vom Strand und so bekamen wir weitere Gäste an Bord und setzten die Tour flussabwärts fort. Im Fjord haben wir noch weitere Belugas und Minkwale gesehen. Außerdem mehrere Seehunde, die sich auf den Felsen am Ufer sonnten. Man darf nicht so dicht an die Tiere heran, aber wir hatten immerhin ein Fernglas dabei. Ich wünschte, ich hätte ein besseres Teleobjektiv an meiner Kamera. Wer ganz genau guckt, erahnt vielleicht die zwei Seehunde in der Mitte des Bildes oben.

Fjord Saguenay

Weiter ging es vorbei an dem Ort Tadoussac auf den Sankt-Lorenz-Strom, der an der Fjordmündung bereits so breit ist, dass man gerade noch das andere Ufer sieht. Hier haben wir aus etwas Entfernung auch ein paar Buckelwale gesehen. Zumindestens wurde uns dies so erklärt, denn in Wirklichkeit haben wir ein paar Rücken, Flossen und Fontänen gesehen. Blauwale sollen ab und zu auch gesichtet werden, aber hier hatten wir kein Glück. Auf dem Weg zurück Richtung Fjord tauchten plötzlich neben uns etwa 20 kleine Rücken und Köpfe auf. Eine Gruppe Seehunde, vermutlich auf dem Weg zur Jagd! Einige der Tiere guckten neugierig aufs Boot, bevor sie weiterschwommen.

Fjord Saguenay

Gegen Mittag wieder am Strand angekommen, haben wir diesen fast nicht wieder erkannt. Mittlerweile war die Flut auf ihrem Höchststand und der Strand nur noch ein paar Meter breit. Den Nachmittag haben wir am Strand verbracht, bevor wir abends, nachdem eine zweite Gruppe die Tour gemacht hatte, wieder mit dem Zodiac zurück in unseren Ort gebracht wurden. Wir haben ein Nickerchen im Sand gehalten, während einige (vermutlich hartgesottene kanadische) Kinder am Strand spielten. Trotz Badehosen wollte aber auch von denen keiner weiter als bis zu den Knien ins Wasser. Es war einfach zu kalt.

Fjord Saguenay

Am nächten Tag mussten wir leider schon zurück nach Montreal. Aber wir haben einen Abstecher in den Parc national des Grands-Jardins gemacht und sind auf einen Gipfel gewandert, von dem man einen super Blick über die Charlevoix Region hatte.

Charlevoix

Die Gegend ist übrigens nicht nur für ihre schöne Landschaft bekannt, sondern auch für ihr Essen. Nicht nur Unmengen von Blaubeeren kommen von hier, sondern auch Käse, der was kann! Und so schmeckte der Käse auf Robins Poutine im kleinen Ort Baie-Saint-Paul besonders gut. Vielleicht schmeckte es aber auch besonders gut wegen der kurz zuvor zurückgelegten Wanderung…

Ich habe aber auch später in Montreal wieder Poutine probiert (zu Vergleichszwecken natürlich). Und ich muss sagen, an diesen Charlevoix-Käse kommt der von La Banquise in Montreal nicht ran. Schade, dass ich vergessen habe zu fragen, wie der in Baie-Saint-Paul hieß! Generell ist dieser weiße, feste Poutine-Käse etwas, dass ich so noch nicht gegessen habe in Deutschland. Von der Konsistenz vielleicht zwischen Mozarella und Halloumi, aber geschmacklich trotzdem ganz anders. Ein Foto habe ich leider nicht gemacht, aber hier gibt es halbwegs ansehnliche Beispiele aus Quebec. Ich habe gehört, es gibt jetzt auch Poutine in einigen Hamburger Burger Läden. Ich bin gespannt, wie es dort schmeckt. Im Zweifel kommt uns lieber hier besuchen. Der Sommer ist übrigens auch zurück. Es ist Mitte September und wir hatten heute 28° und Sonne.