Die Adirondack Mountains und Eastern Townships

Ende September fuhren wir mit dem Zug nach Upstate New York um 2 Freunde aus Hamburg zu treffen. Wir hatten uns für ein paar Tage in einem AirBnB mitten in den Adirondack Mountains einquartiert. Das ist kein kleiner Naturschutzpark, sondern eine gigantische Region mit vielen einzelnen Parks, Skigebieten, einem ehemaligen Winterolympia-Dorf, vielen Seen und Hügeln. Außerdem haben wir im Oktober die Eastern Townships etwas erkundet.

Martin und Yvonne konnten uns mit ihrem Mietwagen am Bahnhof einsammeln, und so mussten wir nicht extra eins leihen. Die Zugfahrt ist die reinste Bummeltour. Mit ungefähr 60 km/h tuckert der Amtrak-Zug im Retro-Look anfangs an Montreals Getreidefeldern vorbei, später dann entlang des malerischen Lake Champlains. Weniger friedvoll veranlagt erscheinen die Grenzbeamten. An der US-Grenze hält der Zug für fast eine Stunde bis alle Fahrgäste kontrolliert wurden. Wir benötigten offenbar einen neuen Stempel im Reisepass und mussten rüber in einen gesonderten Wagon gehen und diverse Fragen beantworten:

“Wo wollen Sie hin, was machen Sie da, wen treffen Sie da, warum sind die Freunde schon vor Ihnen in den USA? Haben Sie jemals in den USA gearbeitet und auf welchen Berg wollen Sie wandern? […] Ok, ich hoffe Sie haben Handschuhe dabei, es soll morgen kalt sein!”

Unseren Ortsnamen (Saranac Lake) hatten wir vorher auswendig gelernt, unsere Ziele zum Wandern kannten wir noch nicht. Aber wie wir uns alle einig waren, war die erste Wanderung schon ein echtes Highlight. Der Saint Regis Mountain ist nur 876 m hoch, aber der Ausblick phänomenal. So weit man gucken konnte, nur Wälder, Hügel und Seen. Wir haben über 2 Stunden gebraucht, aber es war passables Wetter. Ziemlich frisch, aber Handschuhe brauchten wir noch nicht. Oben angekommen schien sogar ein bisschen die Sonne!

Adirondack Mountains

Adirondack Mountains

Ein anderer Wanderweg war ziemlich versteckt. Er begann hinter dem Telefonmast mit der Markierung LI 4, NM 36, NYT 15 an der Route 33. Kein Scherz. Dort gab’s ein paar sehr große Felsen, wo tatsächlich ein paar Leute am Bouldern waren. Die haben ihre Matten mit in den Wald geschleppt und sind geklettert. Noch bevor ich das gesehen hab, musste ich auch auf einen dieser Felsen raufklettern. Aber mit Räuberleiter und ohne Matratze. Ich weiß auch nicht, was mich immer motiviert überall raufklettern zu müssen. In der Halle mit richtigen Boulder-Schuhen macht es mir nicht soooo viel Spaß. (Liegt vielleicht aber auch an den nicht für meine Füße gemachten Leihschuhen, bei denen ich nach 5 Minuten das Gefühl habe, das mir meine Zehen absterben…)

Adirondack Mountains

Am letzten Tag haben wir noch ein paar Stunden in Westport am Lake Champlain verbracht. Von dort fuhr unsere Bummelbahn wieder nach Hause. Ein ziemlich verschlafenes Dorf mit einem alten urigen Mini-Bahnhof, wo genau zweimal am Tag ein Zug hält. Um 2 der nach New York. Um halb 3 der nach Montreal. Wir haben uns am menschenleeren Ufer auf den Bootssteg gesetzt und bei recht eisiger Luft und Sonne das Treiben auf dem See beobachtet. Ein Reiher watete durchs Wasser und nach und nach sammelten sich etwa 100 Kanadagänse ca. 50 Meter neben uns im See. Im Herbst ziehen sie aus dem Norden Kanadas weiter in den Süden.

Adirondack Mountains

Adirondack Mountains

Ein paar Tage nachdem wir wieder in Montreal waren, hatten wir auch schon den nächsten Besuch. Robins Eltern waren für zweieinhalb Wochen in der Stadt und zusammen haben wir uns die Gegend östlich von Montreal angeschaut. Auf Englisch Eastern Townships, auf Französisch Cantons de l’Est. Die offizielle Region nennt sich Estrie und erstreckt sich bis zur Grenze nach Vermont im Süden und Maine im Osten.

Lac Megantic

Mit dem gelben und roten Laub war die Gegend im Oktober besonders schön und auch die Dörfer zwischen den sanften Hügeln sind hübsch. An einem wolkenlosen Tag sind wir mit Robins Eltern auf den Mont Mégantic gefahren. Dieser 1100m Berg ist knapp 3 Autostunden von Montreal entfernt, liegt kurz vor der Grenze zum US-Staat Maine und hat den Vorteil, dass man tatsächlich bis fast auf den Gipfel mit dem Auto herauffahren kann. (Wenn man nicht gerade wieder 5 Stunden wandern möchte.)

Mont Megantic

Mont Megantic

Oben findet man eine Sternwarte. Der gelbe Schulbus spuckte vermutlich eine Ladung Studenten oder Schüler aus. Die Sternwarte wird nämlich von der McGill Uni genutzt. Leider konnten wir an dem Tag nicht ins Innere des Observatoriums, im Sommer soll es aber auch öffentliche Führungen geben. Was man übrigens außerdem auf diesem Berg findet, sind neugierige bis dreiste Vögel! Dieses Exemplar fand auch eher uns als wir es. Es war scharf auf den Apfel von Robins Vater und ehe wir uns versahen, hatte dieser Gray Jay sich schon drauf gestürzt. Man soll ja keine Wildtiere füttern, aber hier wurde niemand gefüttert. Hier wurden wir eher beraubt!

Mont Megantic

In Montérégie, so heißt die Region unmittelbar östlich von Montreal, war ich in letzter Zeit übrigens noch einige weitere Male. Ich hab dort ein Pferd gefunden! Es buckelt (bisher) nicht, es hat eine angenehme Größe, ist für seine 5 Jahre sehr artig, ist Schoko-farben mit heller Mähne, und das beste ist, — wait for it — es kann tölten! Zumindest schon mal ein bisschen. (Ich darf es ihm weiter beibringen.) Wer keine Ahnung hat, wovon ich gerade rede: Es geht um die Spezialgangart Tölt, die die Islandpferde auch so besonders macht. Islandpferde habe ich hier bisher noch nicht gefunden, aber ich freue mich auch sehr über ein Rocky Mountain Horse. Und hier freut man sich offenbar über Leute, die Erfahrung mit Gangpferden haben. Eine Win-Win-Situation! 😃

Maximus

Das Foto entstand übrigens vor 3 Wochen. Da hatten wir noch 20°. Nun ist das T-Shirt-Wetter allerdings endgültig vorbei für dieses Jahr. Heute Nacht sind es –7°. Winter is not coming. Winter is already here! 😱