Snowboards vs. Snowbirds

Zwei gegensätzliche Begriffe, die von der Aussprache so ähnlich sind, dass es zu amüsanten Versprechern kommen kann. – Übers Snowboarden in Quebec und Überwintern in Florida.

Die SNOWBIRD Definition im Urban Dictionary: “Elderly people who travel to Florida during the winter months. They arrive after Thanksgiving, go home for Christmas and come back the day after New Years and stay until Early April.” Es handelt sich also um ältere Menschen, die im Winter von den Nordstaaten und Kanada in Massen nach Florida migrieren. Sie fliehen vorm heimischen Winter. Obwohl sie kräftig zum Umsatz vor Ort beisteuern, sind sie bei den Einheimischen ziemlich verschrien, weil sie den Straßenverkehr mit ihrem notorisch zu langsamen Fahrstil offenbar häufig blockieren.

Die Definition von SNOWBOARD ist natürlich hinreichend bekannt und wir benutzen unsere Snowboards sehr gerne. Wir fliehen also nicht vorm Winter, wir genießen ihn. Zumindest wenn es wärmer als –20° ist und wir die Chance haben zu einem der kleinen Skigebiete in der Nähe von Montreal zu fahren. Ich bin sehr glücklich, wenn ich nach nur einer Stunde Autofahrt auf meinem Board stehe und durch frischen Powder fahren kann. Ich habe mich neulich sogar gefragt, was mir mehr Spaß macht, Reiten oder Snowboarden. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass der Spaßfaktor beim Snowboarden für mich ungefähr so hoch ist, wie ein gutes, schnell töltendes Pferd zu reiten. Das Gefühl ist tatsächlich vergleichbar: Mit viel Geschwindigkeit durch die Natur zu gleiten. Solche Pferde sind allerdings selten in Quebec. Schnee gibt es deutlich mehr als Gangpferde. Zum Glück muss ich mich ja nicht entscheiden zwischen Reiten und Snowboarden. Im Winter mehr Snowboarden, im Sommer wieder mehr Reiten.

Obwohl wir dem Schnee, im Gegensatz zu vielen anderen Montrealern, also viel abgewinnen können, haben wir neulich trotzdem einen Flug nach Florida gebucht. Ein bisschen Wärme auftanken war sehr verlockend. Die Schwiegereltern sind zur Zeit dort und so haben wir sie eine Woche and der Golfküste besucht. Der Altersdurchschnitt in ihrer Nachbarschaft, beträgt geschätzt 80 Jahre. In den Restaurants sieht man fast nur Rentner, auf den Straßen sehr viele Nordstaaten-Kennzeichen und überdimensionierte, klimatisierte SUVs. Die Schwiegereltern fallen mit ihrem Cabrio total aus dem Bild. Aber sie senken den Altersdurchschnitt ja auch noch deutlich.

Zum Glück besteht Florida nicht nur aus Rentner-Restaurants, Shopping Malls und dicken Autos. Es gibt Sumpf soweit das Auge kurz vor dem Landeanflug blicken kann. Und natürlich gibt es hervorragende Strände. Wenn gerade Spring Break ist, kann man an der Atlantik-Küste auch junge Studenten beim Feiern erblicken. Mich interessiert dann aber doch eher die Flora und Fauna als das Ferienleben von Studenten. Wir waren im Six Mile Cyprus Park, wo wir Greifvögel und offenbar giftige Schlangen gesehen haben. Eine Art Holzsteg (Boardwalk) führt durch den Park und trennt die Besucher vom sumpfigen Waldboden und den Reptilien – oder was sonst noch so herumkriecht.

Six Mile Cyprus Park

Ein paar Alligatoren haben wir bereits auf der Fahrt über die Alligator Alley, die einmal quer durch Florida führt, gesehen. Wirklich überall und pausenlos sieht man Wasservögel jeglicher Art. Meistens sind sie weiß und haben lange Beine um durch die Sümpfe zu waten. Sie waten aber auch durch Vorgärten oder am Straßenrand entlang. Am Strand sieht man Pelikane über das Wasser schweben und winzige Vögel mit viel zu kurzen Beinen. Sie rennen in einem für ihre Größe beeindruckenden Tempo über den Strand als wäre das Leben ein ewiges Wettrennen:

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Am schönsten von allen Orten, die ich bisher in Florida gesehen hab, fand ich Gasparilla Island. Die kleine, mit dem Festland über Brücken verbundene Insel hat einen traumhaft breiten Sandstrand und karibisch klares Wasser. Keine Wohnbunker stören im Hintergrund, man kann nur einige wahnsinnig teure Villen bestaunen (die Milliardäre unter den Snowbirds leben offenbar hier). Ein bisschen wie Sylt nur mit Karibikflair. Und ohne Gosch. Aber wer braucht das, wenn man Mitgebrachtes am Strand grillen kann?

Gasparilla Island

Jetzt sind wir wieder zurück in Montreal, der Frühling hat laut Kalender begonnen und das Wetter ist schon ein bisschen milder. Wir planen trotzdem noch spontan über Ostern einmal Snowboarden zu gehen, bevor der Schnee endgültig wegschmilzt. Danach freu ich mich dann aber auch, wenn das Farbspektrum meiner Umwelt von weiß, grau und himmelblau demnächst wieder um grün erweitert wird. Immerhin ist Robins Snowboardjacke knallgrün wie man hier sehen kann:

Snowboarden Mount Sutton Snowboarden am Mount Sutton, einem kleinen Berg südöstlich von Montreal nähe der Grenze zu Vermont.

Snowboarden Bromont und Jay Peak Ein Wochenende voller Neuschnee: Am Samstag in Jay Peak (Vermont), am Sonntag auf dem Bromont, nähe Montreal. Wenn alles klappt, dann in einer Woche auf dem Le Massif de Charlevoix.

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