Neufundland

Ziemlich verspätet und eine weitere Reise später kommt nun endlich der Neufundland Reisebericht. Als erster Camping Urlaub in Kanada und mit Wanderungen durch Landschaften, die es so nur dort gibt, war Neufundland wirklich etwas Besonderes.

Danke nochmal an unsere Freunde Timo (aka Kalle) und Asisa für die Idee, gemeinsam in den äußersten Nordosten Kanadas zu reisen. Während der Woche hat sich bei uns die Formulierung, die wir in irgendeinem Reiseführer aufgeschnappt haben, gefestigt: “Neufundland – muss man wollen.” Es ist ein bisschen wie in Island, wo es auch ständig Sprüche über das Wetter gibt und wo es auch ähnlich eigenwillig und wechselhaft ist. Begrüßt wurden wir mit 4°, Regen und Wind. Ende Juni. Aber immerhin hatten wir Glück, dass wir durch den Nebel einen Seeadler entdeckt haben. Und dass die ersten Nächte im Zelt später nicht nur trocken, sondern die Tage auch super sonnig und relativ warm waren.

Weißkopfseeadler Terra Nova Nationalpark

Trocken bleibt man allerdings nicht, wenn man Schlauchboote von Felsen schubsen muss um die Weiterfahrt zu sichern. Eine geführte Kayakfahrt auf einem Fjord endete damit, dass wir wegen plötzlich aufkommendem, starken Wind nicht mehr zurück an den Ausgangspunkt paddeln konnten. Wir wurden dann vom Tourenanbieter mit einem Zodiac an einer einsamen und von Land unzugänglichen Bucht abgeholt. Die Kayaks ließen wir erstmal am Strand und mussten über die Felsen und durch das Wasser in das Boot klettern. Die Brandung trieb das Zodiac immer weiter auf die Felsen, sodass es dort plötzlich feststeckte. Unsere beiden Männer sprangen heroisch ins Wasser und schoben das Boot von den Felsen, sodass wir alle sicher zurück zum Hafen fahren konnten. Und der Kapitän war so glücklich, dass sein Zodiac keinen Schaden genommen hatte. “Consider yourself hired” scherzte er.

Terra Nova Nationalpark Terra Nova Nationalpark

Ich musste während unseres Besuchs in Neufundland einige Male an Island denken. Das Wetter ist ähnlich rau und wechselhaft, wenn auch vielleicht etwas wärmer im Sommer und ohne die extrem kurzen Mittsommernächte. In den Fischerdörfern stehen bunte Holzhäuser, die beiden Inseln haben eine ähnliche Größe und die Menschen sind mega (gast)freundlich. Auf jeden Fall sind die Neufundländer recht offen für Smalltalk. Ein älterer Verkäufer fragte uns, nachdem wir erzählten, dass wir aus Deutschland kommen, ob wir Wolfgang kennen. Der kommt einmal im Jahr zu ihm aus Deutschland zum Fischen.

Neufundland und Labrador hat zusammen ca. 530.000 Einwohner, da sind die Chancen einander zu kennen, etwas höher als in Deutschland.

Die Provinz hat übrigens auch eine ziemlich hohe Population an Schwarzbären, Elchen, Walen und Papageientauchern um nur einige Tiere zu nennen. Und man hat auch wirklich gute Chancen all diese zu sehen. Außerdem schwimmen nicht nur Buckelwale vor der Küste, sondern auch gigantische Eisberge, die vom arktischen Eis jeden Frühling abbrechen und im Frühsommer an der Ostküste Neufundlands vorbei schwimmen.

Eisberg

An der Westküste wird es wirklich einzigartig: Im Gros Morne Nationalpark gibt es eine Gegend, die aussieht wie eine ockergelbe Steinwüste. Die Tablelands bestehen aus einer Gesteinsart, die aus dem Erdmantel stammt und durch Plattenbewegungen an die Oberfläche befördert wurde. Sie ist unfruchtbar und nur da wo sich ein bisschen Humus gebildet hat, wachsen ein paar Bonsai-artige Wacholdersträucher, einige alpine Blümchen und fleischfressende Pflanzen. Was umso erstaunlicher ist, als direkt nebenan, auf der anderen Seite des Fjords üppiger grüner Wald wächst.

Tablelands Tablelands Tablelands