Gaspésie – Teil 1

Ende August haben wir unseren Sommerurlaub gestartet und sind mit einem Mietwagen und Campingausrüstung Richtung Nord-Osten gefahren. 13 Tage und ca. 2200km rund um die Gaspésie Halbinsel und zurück nach Montréal. Hier der Bericht der ersten Hälfte der Reise.

Matapedia

Unser erster Stop war Riviére-du-Loup, ein kleiner Ort am Sankt-Lorenz-Strom. Wir hatten keine großen Erwartungen, da wir den Ort nur gewählt hatten, da er günstig auf der Route lag. Gute Entscheidung! Ein Freibad mit Blick auf den Fluss, ein sehr preiswertes, super nettes Hostel und ein Pub in dem ich unwissend eins der besten Biere Kanadas bestellt habe. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, aber wenn es so gut ist, dass der Freund einem das Bier wegtrinken will, weil er nur ein normal-gutes bestellt hat, ist vielleicht etwas dran. Offenbar hat es tatsächlich die meisten Auszeichnungen aller kanadischen Biere bekommen. Es heißt “La Fin du Monde” (übersetzt: das Ende der Welt) und kommt aus Quebec. Wie sich später herausstellen sollte, liegt das Ende der Welt tatsächlich an der Spitze der Gaspésie Halbinsel. Dazu später mehr.

Route

Unser zweiter Tag führte uns etwas ungeplant durch New Brunswick, da wir uns zu sehr auf Google Maps schnellsten Routenvorschlag verlassen haben. Rastplätze gibt es in New Brunswick weniger als in Québec, aber dafür haben wir unseren ersten kanadischen Elch von der Straße aus gesichtet. So oder so sind wir dann am Nachmittag bei unserem Etappenziel in Matapédia angekommen. Ein winziger Ort an der Grenze zu New Brunswick, wo wir 2 Nächte im Zelt verbracht haben und einen Nachmittag Kayak gefahren sind.

Matapedia

Das, was wir vom Matepédia Tal gesehen haben, ist wunderschön. Wir kommen bestimmt noch mal wieder – und nehmen dann die richtige Route. Aber auch die weitere Route an der Baie de Chaleur, der Bucht zwischen Quebec und New Brunswick war sehr schön. Übersetzt ist es die Bucht der Hitze und tatsächlich haben wir die ersten Nächte im Zelt eher geschwitzt als gefroren.

Matapedia

Dritter Stop mit zwei weiteren Übernachtungen im Zelt war der Ort Bonaventure. Während der vorige Zeltplatz eher schnuckelig klein und familiär war, erschien dieser nun gigantisch und eher anonym. Bei Cime Aventure gibt es endlos viele großzügige Zeltplätze im Wald, Baumhäuser, Tipis und ganz dem Namen nach – Abenteur. Es werden unterschiedliche Touren auf dem türkisfarbenen, klaren Bonaventure Fluss angeboten. Wir haben die 20km Kayaktour gebucht. Zusammen mit geschätzt 80 anderen Menschen wurden wir in 2 alten, gelben Schulbussen zum Ausgangspunkt gefahren. Kurze Einweisung und los ging’s. Nach nur kurzem Aufwärmen kam bereits die erste Stromschnelle in einer Kurve, die uns direkt ein kurzes Bad im Fluss bescherte. Das Wasser ist allerdings so schön klar und relativ warm, dass es uns nichts ausmachte.

Bonaventure

Ende August ist übrigens die beste Zeit um warmes Wasser zu genießen, aber nicht um VIEL Wasser zu genießen. Der Wasserstand in den Flüssen ist zu dieser Jahreszeit so niedrig, dass wir häufig mit unserem Kayak auf Grund liefen und es eine Weile hinter uns her ziehen mussten. Ständig haben wir Felsen bei kleineren Stromschnellen gerammt und sind stecken geblieben. Die Schönheit der nahezu unberührten Natur, die wir aber den ganzen Tag um uns hatten, entschädigte für die Strapazen. Und der Spaß die Stromschnellen hinabzufahren!

Percé

Nach vier Nächten im Zelt haben wir uns zwei Nächte in einem Bed & Breakfast gegönnt. Unser nächster Halt war der Hafenort Percé mit seinem berühmten roten Kalksteinfelsen im Meer. Weiteres Wahrzeichen des Orts sind die Basstölpel. Große, weiße Seevögel mit gelbem Kopf.

Außer Bootstouren zur Basstölpel-Insel Bonaventure bietet der Ort auch sehr gutes Essen, zumindestens in unserer niedlichen Herberge und im Restaurant La Maison du Pêcheur. Hervorragendes Bier und eine gemütliche, für so einen touristischen Ort, untouristische Atmosphäre gibt es im Pit Caribou.

Percé

Am nächsten Morgen haben wir uns relativ früh auf den Weg in den nahegelegen Nationalpark Forillon gemacht. Er liegt an der äußersten Nordost-Spitze der Gaspésie-Halbinsel. Danach kommt erstmal nur Wasser. Und irgendwann die Insel Anticosti und Neufundland, aber man kann höchstens bis zum Percé Felsen gucken. “Le Bout du Monde” heißt dieses Fleckchen Erde. Der Anstieg zum Aussichtsturm mit dem Blick auf das Ende der Welt hat sich jedenfalls gelohnt.

Forillon

In diesem Teil des kleinen Nationalparks gibt es übrigens überdurchschnittliche viele Schwarzbären. Gesehen haben wir keinen – nur seine Hinterlassenschaften. Stattdessen haben wir dieses in den Bäumen lebende Exemplar entdeckt:

Forillon

Wer weiß, wie dieses Tier heißt, bekommt 100 Punkte. Die Auflösung und weitere wilde Tiere gibt es demnächst in Teil 2 des Gaspésie-Berichts.

Forillon