Gaspésie – Teil 2

Es ist Ende November und mittlerweile ist Winterwetter in Montréal eingekehrt. Heute ist eher eisiges Norddeutsches Schietwetter. Genau der richtige Moment also, um es sich drinnen gemütlich zu machen und nochmal Fotos vom Sommerurlaub rauszusuchen und hier zu posten. Im ersten Teil des Gaspésie Berichts habe ich unsere Reise bis zum Nationalpark Forillon beschrieben. Der Rest der Reise besteht aus zwei weiteren Nationalparks: Parc de la Gaspésie und Parc Bic.

Die Frage nach dem stacheligen Tier, das wir im Park Forillon abgelichtet haben, haben einige Leser direkt richtig beantwortet: es ist ein Baumstachler. Oder auch Neuweltstachelschwein genannt, da es sie nur in Amerika gibt. Hat nicht sehr viel mit dem alt-Welt Stachelschwein zu tun.

Baumstachler

Außerdem haben wir noch andere Nagetiere gesehen, nämlich ein paar Bieber. Park Canada bietet regelmäßige Führungen mit Biologen an, was echt super ist, denn die kennen die Uhrzeiten und Ecken, wo man die Tiere sehen kann, ziemlich gut. Und man lernt auch eine ganze Menge.

Nach 2 recht frischen Nächten im Zelt nahe der Landzunge, die “Ende der Welt” genannt wird, ging es gleich weiter zum nächsten Nationalpark. Die Route führte uns an abgelegenen Küstendörfern entlang. Der Großteil der kurvigen Strecke bedeutete: links Berge, rechts Meer, alle 200 Meter ein Seehund auf einem Felsen. Zwischendurch ein Casse-Croûte zur Stärkung. Das sind Imbiss-Buden mit Fischgerichten, Pommes und Poutine. Sehr lecker, aber nach 1 weiteren Stunde Autofahrt wurden wir plötzlich recht müde. In einem weiteren kleinen Dorf sah ich auf der anderen Seite der Bucht vom Auto aus bunte Liegestühle an einem Strand. Der perfekte Ort für eine kleine Siesta!

Strandpause

Gaspesie Nationalpark

Am frühen Abend kamen wir dann im Quebec Nationalpark de la Gaspésie an. Ein ziemlich großer Park nicht weit von der Küste, aber mit Bergen über 1000 Metern. Bei Ankunft an unserer Hütte an einem kleinen See begrüßten uns schon unsere Freunde aus Hamburg. Wir hatten zusammen eine klassische Waldblockhütte gebucht. Ohne Strom und Internet, es wird nur mit Gas geheizt, gekocht und gegrillt. Abends rösteten wir Marshmallows am Lagerfeuer – genau wie man es von Familie Kranz aus Hamburg kennt :-) Der Unterschied zu ihrem Garten zuhause: Vor unserer Hütte trieb sich ab und zu eine Elchkuh herum. Am zweiten Morgen entdeckten wir sie direkt vorm Küchenfenster in aller Ruhe an den Büschen knabbernd. Auch abends haben wir sie einige Male im Unterholz gehört.

Gaspesie Nationalpark

Gaspesie Nationalpark

Einen Tag sind Robin und ich zu zweit auf den Mont Jacques-Cartier gewandert. Unten im Tal war es relativ warm und auch die erste Hälfte der Wanderung über Stock und Stein zwischen den Bäumen brachte mich ein wenig ins Schwitzen. Doch dann hatten wir die Baumgrenze überschritten und plötzlich befanden wir uns in einer Tundra Landschaft mit eisigem Wind. Überall wo man hinschaute nur noch Felsen und Flechten.

Gaspesie Nationalpark

Aber wir sind natürlich nicht den ganzen Weg herauf gewandert um nur Moos zu sehen. Der Gaspesie Park ist auch der einzige Ort südlich des Sankt-Lorenzstroms, wo Rentiere leben. (In Nordamerika Karibus genannt.) Die können erstaunlicherweise von diesen Flechten im Sommer leben. Im Winter ziehen sie in tiefere Gebiete.

Gaspesie Nationalpark

Die Tiere haben ein relativ schlechtes Sehvermögen und so kann man, wie wir, Glück haben und sie beobachten, wenn man sich still genug verhält. So dicht wie an die Elche kommt man nicht heran, da man die Wege auch auf keinen Fall verlassen darf. Ansonsten würde man womöglich das Buffet der Karibus kaputt trampeln. Der Elch dagegen lief ja an unserer Feuerstelle herum.

Gaspesie Nationalpark

Gaspesie Nationalpark

Zum Abschluss unserer Reise ging es wieder ans Wasser, zum Bic Nationalpark der direkt am Sankt-Lorenzstrom liegt. Im Vergleich wieder sehr klein, aber wunderschön. Es ist eine Mischung aus schroffen Felsen, Wald, Wiesen, Watt und dramatischen Wolken am Himmel. Die Gezeiten sind natürlich nicht so stark wie in der Nordsee, aber dafür kann man die Seehunde vom Ufer sehen. Und dabei die Mücken surren hören (und später deren Stiche fühlen!). Dennoch, ich bin mir sicher, wir kommen wieder!

Gaspesie Nationalpark

Gaspesie Nationalpark

Gaspesie Nationalpark

Gaspesie Nationalpark